Pickups für Fender Bässe
Ende der 90er hatte ich mir schon in Fachkreisen einen Namen als „Pickup-Guru“ gemacht und ich bekam nun immer öfter auch Anfragen von Bassisten. Einer von ihnen war Jürgen Attig, den einige als Bassist von „Felix de Luxe“ (Taxi nach Paris) kennen.
Jürgen hat eine erstaunliche Sammlung von Jazz-Bass Pickups. Fast aus jedem Baujahr zwischen 1960 und 1970 ein Pärchen. Zu seinem Pech und zu meinem Glück waren aber einige Exemplare defekt. Das gab mir die Gelegenheit, die kaputten Pickups zu restaurieren und gleichzeitig die gesamte Sammlung zu analysieren. Nach dem ich alle Daten wie immer archiviert hatte, beschloss ich trotz der unterschiedlichen Klänge jedes Pickup-Jahrgangs mich dann auf zwei Favoritensets zu beschränken.
JB 61. Das JB61 Set repräsentiert die frühen Jahre des Jazz-Bass. Es liefert dieses unglaublich sonore Knurren und einen dicken, tiefmittigen Ton, der sich seine Fans in den unterschiedlichsten Musikstilen erobert hat: Flea von Red Hot Chili Peppers , Ladi Geisler (Bert Kämpfert Orchester! Stichwort „Knackbass über Twin Reverb mit Filz Plektrum“!) oder der unglaublich virtuose Jaco Pastorius. Weitere Jazz Bass-Ikonen: Der 16jährige Bootsy Collins spielte bei James Brown einen Jazz Bass und als tragende Tonfundamente legendärer Rockbands müssen hier noch Noel Redding (Jimi Hendrix Experience) und John Paul Johns (Led Zeppelin) erwähnt werden!
JB61 in einem Sandberg Bass:
JB 71. Nach dem Leo Fenders Verkauf an CBS wurde auch hier gespart. Ähnlich wie bei anderen Modellen wie Strat- und Tele wurden auch beim Jazz-Bass die Pickups mit etwas weniger Draht versehen. Das Resultat ist anders, aber auf keinen Fall schlechter: der Ton des JB71 Set ist etwas sehniger, leichter und luftiger. Die Mitten sind nicht mehr so tief und kräftig wie beim JB61. Tiefbass und Höhen wird dadurch etwas mehr Raum gegeben. Ein sehr gutes Beispiel für diesen typischen 70s Basssound ist der Ton von Marcus Miller.
PB 63.Ungefähr zur gleichen Zeit hatte ich einen exzellent klingenden 63er Precision Bass eines Freundes im Hause. Aus der Analyse dessen Pickups entstand der PB63. Dieser Pickup bietet alle legendären P-Bass Klangparameter: großer, druckvoller Ton und ein unverwechselbares „buock“ wenn man die G-Saite schnalzen lässt! Das Fundament schlechthin, wenn man bedenkt, wer diesen Basssound populär gemacht hat: Fast alle Motown-Hits hat James Jamerson mit seinem Precision eingespielt. 90% der Stax-Hits hat „Duck“ Dunn mit seinem Preci verarztet und wahrscheinlich sind schätzungsweise 40% aller Welthits mit dieser Basslegende eingespielt worden.
PB 57. Vor ca einem Jahr bekam ich einen 57er P-Bass Pickup zur Reparatur. Das sympathische bei einem defekten P-Bass Pickup ist, dass man das „Reparaturresultat“ schon genau kennt, da ja eine Spule meistens noch funktioniert! Die Spulen des PB57 sind historisch korrekt mit Formvar lackiertem Draht bewickelt. Die Unterschiede zum PB63: der Ton ist brillianter, feiner und etwas breiter!
PB55. Am Anfang war der Ur-Preci, der sogenannte Telecaster Bass! Dank Sting weiß wohl mittlerweile jeder Bassist, wie diese Legende aussieht und vor allem auch klingt. Der PB55 klingt nicht so fett, er ist eher „holzig und warm“ mit einem Schuss „bumb“. Einzigartig!